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Nachruf - Ota Filip ist verstorben

 

Wir bedauern sehr, dass ein Autor unseres Hauses, Ota Filip, kürzlich verstorben ist. Wir fühlen uns geehrt, dass wir Ota Filip ein Stück seines literarischen Weges begleiten durften. Sein Werk Verspätete Abrechnungen bereichert seit 2012 unsere Reihe WortWechsel und somit unser gesamtes Verlagsprogramm.

 

Der Hochachtung, die aus dem Nachruf von Walter Schmitz spricht, möchten auch wir uns anschließen:

 

„Zum Schluss bleiben mir nur noch Scherben, ein Haufen von Ruinen der Vergangenheit übrig, die ich nicht mehr zusammenzukleben habe“. So steht es in Ota Filips Der achte oder der unvollendete Lebenslauf, der nur noch auf Tschechisch erschienen ist. Tatsächlich hat Filip mehrere Leben gelebt: Geboren 1930 in Schlesisch-Ostrau, nach 1968 Dissident und Gefangener in der kommunistischen Tschechoslowakei, verstrickt in die Netze der Staatssicherheit, seit 1974 als Exilant in der BRD; dort wird er bald heimisch und ist höchst anregend für eine kulturelle Arbeit, die über die Grenzen blickt; vor allem nach 1989 widmet er viel Mühe der Versöhnung zwischen Tschechen und Deutschen. Seit er 2010 hier in Dresden die Chamisso-Poetikdozentur innehatte und seine nicht national begrenzte literarische Lebensarbeit vorstellte, durfte ich Ota Filip besser kennenlernen: Seine Selbstzweifel, seine Offenheit, seine originelle und genaue, unsentimentale Sichtweise, seine wache Phantasie, wenn es um neue Geschichten in scheinbar alternativloser Lage ging. Sein vielfältiges erzählerisches Werk verdient eine Wiederentdeckung: Wer unsere mitteleuropäische Geschichte – nicht nur im zwanzigsten Jahrhundert – verstehen will, sollte Filips Romane lesen. Sie sind so spannend, mit Höhen und Tiefen, wie die Lebensgeschichte dieses großen Mitteleuropäers.

 

Walter Schmitz, Dresden, den 8. März 2018


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